GeschichteBerüchtigte Raubzüge

Im Jahr 1089 wird Dettingen an der Erms erstmals schriftlich genannt und zwar im Bempflinger Vertrag, einem Erbschaftsvertrag verwandter Adeliger. Ansonsten sind in den folgenden Jahrhunderten nur sehr wenige Daten überliefert, einmal abgesehen vom 21. Mai 1377. Bei einem ihrer berüchtigten Raubzüge bis vor die schnell geschlossenen Stadttore Urachs besiegten die Reutlinger mit großem Blutvergießen die Württemberger, trieben das Uracher Vieh nach Hause und zündeten den Dettingern die Strohdächer an. Die sich dagegen wehrenden Männer wurden erschlagen.

1482 errichtete Graf Eberhard im Bart in Dettingen an der Erms ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben. Gründe hierfür sind nicht bekannt - lediglich existiert eine Spekulation, dass die Universität Tübingen ursprünglich einmal in Dettingen an der Erms hätte eingerichtet werden sollen. Zu verdanken haben die Dettinger Graf Eberhard im Bart auch den Chor mit Nordkapelle der Kirche sowie das "Schlössle".

In diesem Gebäude, dem heutigem Rathaus, wohnte von 1575 bis 1596 die interessante Persönlichkeit Susanna von Grafeneck, verheiratete Zillenhart. Die im Ort hoch angesehene Adelstochter zeigte sich vor 400 Jahren erstaunlich emanzipiert: ohne Scheidung und obwohl fromm evangelisch, trennte sie sich von ihrem unguten Mann. Vermutlich verdanken die Dettinger ihren Spitznamen "Goißköpf" ebenfalls Susanna von Zillenhart. Sie führte im Wappen ihres Ehemannes einen halben Steinbock. Eine Legende dagegen berichtet, Geißen hätten die Köpfe aus den Fenstern des Rathauses gestreckt, als Herzog Carl Eugen vorbeifuhr...

Ganz sicher ist, dass Susanna von Zillenhart Namensgeberin für einen an das Bürgerhaus angrenzenden, wunderschönen Saal ist, den die Dettinger heute gerne für (private) Veranstaltungen oder Kabarett-Tage nutzen.

Mit der Reformation (1534) verschwanden alle Kapellen auf der Gemarkung, dafür erfolgte zeitgleich mit ihnen wohl die Einrichtung der Schule. Der 30jährige Krieg verschonte auch Dettingen an der Erms nicht und so erfuhr die Ermstalgemeinde am 02. November 1634 eine blutige Zerstörung wie seitdem nie wieder. Die Einwohnerzahl stagnierte daraufhin sehr lange.

  • 23.07.2019
  • 13:59 Uhr